ankommen – teilwerden – gemeinsam gestalten

16. Oktober 2017 | Kategorie: Leitartikel

Migration ist eine globale Herausforderung an alle. Fragen, die durch Migration entstehen, beschäftigen auch unsere Gesellschaft seit Jahren. Es gilt, gemeinsam Lösungen zu finden und das Miteinander konstruktiv zu gestalten. Auch die Bonner Buchmesse Migration möchte ein Forum bieten, das hierzu einen Beitrag leistet. Hier einige Gedanken zum diesjährigen Motto:

ankommen

In Deutschland leben seit Jahrzehnten Menschen aus unterschiedlichsten  Kulturen; viele sind längst und gut angekommen, viele andere erleben sich in unterschiedlichen Stadien des Ankommens. In den letzten Jahren kamen hunderttausende nach Deutschland, in der Hoffnung, hier Schutz und eine neue Heimat zu finden. Physisch sind die Flüchtlinge im Land ihrer Hoffnung angekommen – wie die Generationen von Migranten vor ihnen. Aber was heißt „ankommen“ noch? „Ich bin angekommen“ meint auch: „Ich fühle mich heimisch.“ Sicher sein, ein Zuhause haben. Ankommen birgt ein Entspannen, ein Aufatmen.

Wirklich angekommen sind viele noch nicht, ob kürzlich aufgenommen oder schon lange in Deutschland. Wir sind mitten im Prozess des Beieinander-Ankommens. Dieser Prozess verläuft nicht immer konfliktfrei; wieder und wieder sind wir alle herausgefordert, aufeinander zuzugehen. Ohne Ankommen in der Gesellschaft kann keine Teilhabe möglich sein. Und um Teil der Gesellschaft zu werden, muss man an ihr teilnehmen.

teilwerden

… passiert nicht von allein. Die Gesellschaft muss die Voraussetzungen für eine gelungene Integration schaffen, damit auch die hier Angekommenen Teil von ihr werden können.

Da ist etwas, wovon ich als Neue oder Neuer in diesem Land Teil werden möchte und muss: Eine Kultur, eine Gesellschaft, formale Prozeduren und teilweise unsichtbare Normen. Migranten und Migrantinnen kommen nicht in ein Niemandsland – hier ist eine Bundesrepublik, die geraume Zeit existiert, die für viele gut, für viele auch nicht so gut funktioniert. Sie bietet den Ankommenden an, Teil von ihr zu werden, sich auf sie einzulassen und ihre Regeln nicht nur zu akzeptieren, sondern aktiv auszugestalten. Damit ist eine Einladung ausgesprochen: ein Teil der neuen Kultur zu werden und dabei die eigene Herkunftskultur mit-zu-teilen. Damit auch die Aufnehmenden teilwerden können von dem, was da ankommt.

gemeinsam gestalten

Dann – wenn wir uns im Ankommen begegnen, füreinander und auf eine Gesellschaft hin teilwerden – können wir die Zukunft gemeinsam gestalten. Indem wir aktiv und tätig werden, lassen wir nach und nach Gestalt annehmen, wie wir zusammen leben wollen. Im gemeinsamen Gestalten zeigt sich, wo wir Grenzen erkennen – und anerkennen, oder auch verschieben; wo sich uns Möglichkeiten offenbaren, von denen wir kaum zu träumen gewagt hatten.

Wenn wir gemeinsam gestalten, können wir teilwerden von etwas Größerem. Und das wird uns helfen, in einer gewandelten, internationalen, transkulturellen und friedlichen deutschen Gesellschaft anzukommen.

Ankommen, teilwerden, gemeinsam gestalten:

Die Bonner Buchmesse Migration lädt in diesem Jahr mit ihrem Motto ein, sich der Bewegung des Ankommens, Teilwerdens und gemeinsamen Gestaltens zu stellen – in ihrem Ernst und ihren Herausforderungen ebenso wie in ihrer Schönheit und Anmut.

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